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Geschichte

Gründung des Vereins

Leider gibt es zur Gründung des Vereins nur allgemeine Berichte, aber keine Details, wie sie im Einzelnen vollzogen wurde. Ein Protokoll oder Augenzeugenbericht von der Gründungsversammlung am 2. Februar 1891 existiert nicht (mehr). Der bekannte Hausener Heimatforscher Dr. Konrad Kupfer vermerkt in seiner Ortsgeschichte von 1956 nur lapidar einen einzigen Satz: Im Jahre 1891 gründete Pfarrer Marquard den St.-Wolfgangs-Männerverein.1 Doch dürfte es kein Zufall sein, dass die Gründung gerade am Lichtmess-Tag stattfand, mit dem früher das Bauernjahr begann.

Etwas ausführlicher geht der langjährige Hausener Heimatpfleger Engelbert Wagner 1991 in der Festschrift zum 100. Vereinsjubiläum2 auf die Gründung ein. Er berichtet, dass zuvor eine Genehmigung eingeholt und abschließend ein offizieller Genehmigungsbescheid erteilt werden musste. Im Einzelnen schreibt er: Am 2. Februar 1891 versammelten sich in Hausen 72 Männer, „um nach erholter orthspolizeilicher Genehmigung über die Gründung eines katholischen Männervereins zu berathen“, wie es im seinerzeitigen Antrag an das königliche Bezirksamt Forchheim heißt. Erster Vorstand oder Präses sollte der jeweilige Ortspfarrer sein, ein geschäftsführender zweiter Vorstand oder Vizepräses war von den Mitgliedern zu wählen. Dies wurde der damaligen Bürgermeister Johann Georg Heilmann. Im Königreich Bayern wie im deutschen Kaiserreich hatte in dieser Zeit die Obrigkeit ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn ein Verein gegründet werden sollte, und im Genehmigungsbescheid vom 26. März 1891 wird dann auch ausdrücklich darauf hingewiesen, „dass jede Veränderung in der Vorstandschaft oder in den Vereinszwecken durch Vermittlung der Orthspolizeibehörde sofort hierher anzuzeigen ist und dass bezüglich der Abhaltung etwaiger Tanzvergnügen und Einhaltung der Polizeistunde“ die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten seien.

Weitere Entwicklung des Vereins

Diese Schilderung der Vereinsgründung macht bereits deutlich, dass das Entstehen des St.-Wolfgangs-Vereins nicht ausreichend zu verstehen ist, wenn man nicht die gesellschaftlichen und politischen Umstände der damaligen Zeit und ihre Auswirkungen auf ein kleines Dorf wie Hausen mit in die Betrachtung einbezieht. Außerdem stellen alle Berichte die herausragende Bedeutung des damaligen Pfarrers Matthäus Marquard für die Vereinsgründung heraus.

Nach den Turbulenzen im Dritten Reich und dem Fehlen eines echten Vereinslebens während des Krieges lebte der Verein am Ende der 1940er Jahre wieder auf. Der über 70jährige und seit fast 30 Jahren amtierende Vorstand Georg Heilmann bemühte sich nicht nur, das Vereinseben überhaupt wieder zum Laufen zu bringen, sondern auch die hergebrachten traditionellen Grundsätze erneut zum Leben zu erwecken.

Anfang 1956 ging schließlich eine Ära zu Ende, als der inzwischen 82jährige Vereinsvorstand Georg Heilmann nach 36 Jahren sein Amt niederlegte. Mit der Wahl seines Sohnes Georg Heilmann Junior zum neuen Vorstand am 8. Januar 1956 blieb jedoch die Kontinuität gewahrt. Denn er führte den Verein im Sinne seines Vaters weiter. Erstmals berichten die Vereinsunterlagen auch von einer großen Feier, als am Wolfgangstag 1965, das 75. Vereinsjubiläum mit Kirchenparade, Festgottesdienst und musikalisch umrahmter Festversammlung begangen wurde.

Nachdem Pfarrer Johannes Ruppert 1960 aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging, fand auch bei der geistlichen Führung mit dem Amtsantritt des neuen Pfarrers Georg Hundsdorfer am 14. August 1960 ein Wechsel statt.

Am 12.März 1972 wählte man  eine neue Führungsmannschaft und der damals 40jährige Anton Müller löste den 68 Jahre alten, seit 16 Jahren amtierenden Georg Heilmann ab. Dass der neue Vereinsverantwortliche in der damals bereits über 80jährigen Geschichte erst der vierte Vorstand war, spricht für eine nachhaltige und erfolgreiche Arbeit.

In der Amtszeit des seit 1976 als Pfarrer von Hausen amtierenden Präses Michael Kramer begann sich der Verein dann endgültig den neuen gesellschaftlichen Realitäten anzupassen.

Vereinsaktivitäten

Die regelmäßige Teilnahme an Männerwallfahrten (z.B. nach Vierzehnheiligen, Marienweiher und anderen Orte), an Männerexerzitien und Diözesanmännertagen gaben weitere Anstöße für ein religiöses Leben. Auch das übrige Vereinsleben gestaltete sich weiterhin reichhaltig und abwechslungsreich. Neben den üblichen Sitzungen, Hauptversammlungen und Weihnachtsfeiern fanden jährlich Vereinsausflüge statt wie 1979 nach Eichstätt, 1982 Fulda, 1989 Oberammergau, 1989 Heidelberg und zu vielen anderen Zielen. Höhepunkte waren natürlich die Jubiläen, besonders 1991 die Feiern zum 100. Jahrestag der Vereinsgründung.

Besonders hervorzuheben sind natürlich auch die zahlreichen Aktivitäten des Wolfgangsvereins für die Dorfgemeinschaft, die vielen nicht bekannt oder oft in Vergessenheit geraten sind: 1981 wurden die Überschüsse des 90jährigen Vereinsjubiläums für die Anschaffung eines neuen Messgewands gestiftet; 1992 übernahm der Verein die Finanzierung einer neuen Friedhofsglocke; 1991 ließ man die am Hausener Bach stehende Nepomukstatue restaurieren. Seit 2013 unterstützt der Verein im Rahmen einer Patenschaft die schulische Ausbildung von Lucien Paul Ignace Diop (*1996) und Sophie Ndongo (*1997), zwei junge Senegalesen aus Thiés, dem Bischofssitz des Partnerbistums der Erzdiözese Bamberg.

Bereits seit 1987 begründete der Verein eine hoffentlich bleibende Tradition mit der Einführung des Brunnrangenfestes, das seither alljährlich stattfindet.

1999 folgte dem 27 Jahre lang amtierenden Vorstand Anton Müller mit Stefan Welker erneut ein Mitglied der jüngeren Generation an der Vereinsspitze nach. Seit 2005, als der Vereinspräsens Pfarrer Kramer in den Ruhestand ging folgten von 2005-2008 Pfarrer Josef Kraus und von 2008/2015 Pfarrer Franz Noppenberger. Mit Klaus Weigand, dem seit 1. September 2015 amtierenden neuen Pfarrer als Präses, und augenblicklich 166 Mitgliedern geht der Verein gut gerüstet in die Zukunft.  

Fußnoten

1 Kupfer, Konrad: Geschichte des Dorfes Hausen/Ofr. Forchheim 1956, S. 60.

Wagner, Engelbert: Rückschau auf ein Jahrhundert, in: 100 Jahre Kath. Männergemeinschaft St. Wolfgang Hausen, Hausen 1991, S. 13-18